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Glossar · Überfachliche Kompetenzen

Überfachliche Kompetenzen: Selbst, Sozial, Methoden — und mehr

Überfachliche Kompetenzen sind im Lehrplan 21 fünf querschnittliche Kompetenzbereiche — Selbst-, Sozial- und Methodenkompetenzen sowie sprachliche und digitale Kompetenzen — die in allen Fächern gleichzeitig entwickelt werden.

Was alle fünf Bereiche gemeinsam haben: Sie entstehen nicht in einem einzigen Fach, sondern quer durch alle Fächer und Lebensbereiche der Schule hindurch. Eigenverantwortung zeigt sich im Mathematikunterricht genauso wie in einer fächerübergreifenden Projektarbeit. Kooperationsfähigkeit entwickelt sich im Sportunterricht, im Deutschunterricht und im Schullagerprojekt. Methodische Fähigkeiten — systematisches Vorgehen, Informations- beschaffung, Zeitplanung — sind in keinem Fach exklusiv, aber in jedem Fach relevant. Diese Querschnittlichkeit ist das Wesensmerkmal überfachlicher Kompetenzen: Kein Fach besitzt sie allein, alle Fächer entwickeln sie gemeinsam.

Was überfachliche Kompetenzen nicht sind: keine separate Schulnote, die die Fachnote ergänzt oder ersetzt; keine pauschale Arbeitshaltungs-Bemerkung im Zeugnisstil «zeigt guten Einsatz»; und keine Persönlichkeits-Beurteilung, die den Charakter einer Schülerin oder eines Schülers einordnet. Überfachliche Kompetenzen sind beobachtbare, situationsgebundene Fähigkeiten — dokumentiert über konkrete Verhaltensweisen in konkreten Unterrichtssituationen, nicht als abstrakte Charaktereigenschaft.

Hintergrund

Pädagogischer Hintergrund

Das Konzept der überfachlichen Kompetenzen geht auf zwei wegweisende Entwicklungen der frühen 2000er-Jahre zurück. Die OECD-Studie «Definition and Selection of Competencies» (DeSeCo, 2003) definierte erstmals auf internationaler Ebene Schlüsselkompetenzen, die über Fächergrenzen hinausgehen und als Voraussetzung für ein gelingendes Leben und eine funktionierende Gesellschaft gelten. Das DeSeCo-Rahmenwerk identifizierte drei Kategorien: interaktive Nutzung von Werkzeugen (inkl. Sprache und Technologie), Interagieren in heterogenen Gruppen und eigenständiges Handeln. Diese Kategorien beeinflussten die Kompetenzmodelle zahlreicher nationaler Lehrpläne — darunter den Lehrplan 21.

Parallel dazu legte der Klieme-Bericht (Klieme et al., 2003) in Deutschland die Grundlage für kompetenzorientierte Bildungsstandards. Die Grundthese: «Wissen + Können in einem Fach» allein reicht für einen nachhaltigen Lernerfolg nicht aus. Lernerfolg hängt auch von selbstregulativen Fähigkeiten ab — von der Fähigkeit, die eigene Arbeit zu planen, Rückschläge zu verarbeiten und die eigene Leistung realistisch einzuschätzen. Diese Erkenntnis stützt sich auf Lernforschung: Hattie (2009) zeigte in seiner Metastudie «Visible Learning», dass selbstreguliertes Lernen zu den stärksten Einflussfaktoren auf den Lernerfolg gehört — stärker als viele unterrichtliche Massnahmen, die im Schulalltag als zentral gelten.

Der Lehrplan 21, der zwischen 2006 und 2014 unter der Koordination der D-EDK (Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz) entwickelt und ab 2015 schrittweise eingeführt wurde, überführte diese Forschungslage in ein verbindliches Kompetenzmodell für alle 21 Deutschschweizer Kantone. Überfachliche Kompetenzen wurden darin explizit als fünf eigenständige Bereiche verankert — und damit aus dem diffusen Raum der «allgemeinen Schulreife» in ein strukturiertes, beobachtbares Format überführt.

Die entscheidende pädagogische Wende: Überfachliche Kompetenzen werden im Lehrplan 21 nicht als Charaktereigenschaften behandelt, die man hat oder nicht hat, sondern als Fähigkeiten, die sich im Schulalltag entwickeln, üben und beobachten lassen. Das eröffnet die Möglichkeit, sie systematisch zu dokumentieren — und damit sichtbar zu machen, was im Zeugnis unsichtbar bleibt.

Schweizer Kontext

Im Schweizer Kontext: Die fünf Bereiche des Lehrplan 21

Der Lehrplan 21 benennt die fünf überfachlichen Kompetenzbereiche explizit und beschreibt für jeden Bereich konkrete Teilkompetenzen, die Schüler:innen im Verlauf der Volksschule entwickeln sollen.

1. Selbstkompetenz

Selbstkompetenz umfasst Selbstreflexion, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Schüler:innen entwickeln die Fähigkeit, das eigene Handeln zu beobachten und zu beurteilen, mit Misserfolg und Widerstand umzugehen und Entscheidungen zunehmend eigenverantwortlich zu treffen. Dazu gehört auch der Umgang mit der eigenen Vielfalt: eigene Stärken kennen, Grenzen anerkennen und den eigenen Lernprozess aktiv gestalten. Im Schulalltag zeigt sich Selbstkompetenz etwa darin, dass ein Schüler nach einem Misserfolg selbständig nach einer neuen Lösung sucht, ohne auf Aufforderung der Lehrperson zu warten.

2. Sozialkompetenz

Sozialkompetenz beschreibt die Fähigkeit, in sozialen Situationen konstruktiv zu agieren: Dialogfähigkeit (zuhören, eigene Position vertreten, Perspektiven wechseln), Konfliktfähigkeit (Konflikte benennen, ansprechen, gemeinsam lösen) und Kooperations- fähigkeit (Aufgaben gemeinsam planen, Verantwortung teilen, Ergebnisse zusammen vertreten). Der Lehrplan 21 betont auch den Umgang mit Vielfalt: die Fähigkeit, respektvoll mit Personen umzugehen, die andere Hintergründe, Meinungen und Fähigkeiten mitbringen. Sozialkompetenz ist beobachtbar — in Gruppenarbeiten, in Diskussionen, in der Art, wie Schüler:innen auf Konflikte reagieren.

3. Methodenkompetenz

Methodenkompetenz bündelt Fähigkeiten zur Arbeitsorganisation und Problemlösung: Informationen beschaffen und bewerten, Aufgaben und Probleme strukturiert angehen, den eigenen Lernprozess planen und überwachen. Dazu gehören sprachliche Fähigkeiten im methodischen Sinn — das Lesen und Verfassen von Sach- und Gebrauchstexten, das Präsentieren von Ergebnissen, die Nutzung von Nachschlagewerken und Hilfsmitteln. Methodenkompetenz zeigt sich im Schulalltag beispielsweise darin, dass eine Schülerin eine Projektarbeit selbständig in Teilschritte gliedert, ihren Zeitplan einhält und das Ergebnis dokumentiert.

4. Sprachliche Kompetenzen

Mit dem Lehrplan 21 wurden sprachliche Kompetenzen explizit als überfachlicher Bereich verankert. Das umfasst die Standardsprache (Hochdeutsch als gemeinsame Schulsprache in der Deutschschweiz), Fachsprachen (das Beherrschen fachspezifischer Begriffe und Ausdrucksweisen über Fächergrenzen hinweg) sowie mediale Sprachformen (das Verstehen und Produzieren von Texten in verschiedenen Medien und Formaten). Sprachliche Kompetenzen sind in jedem Fach relevant — im Mathematikunterricht genauso wie im Kunstunterricht. Die Verantwortung für sprachliche Bildung liegt damit nicht ausschliesslich beim Deutschunterricht, sondern ist Aufgabe aller Fächer.

5. Digitale Kompetenzen

Digitale Kompetenzen wurden im Lehrplan 21 über das Modul «Medien & Informatik» als überfachlicher Bereich verankert. Sie umfassen die Anwendung digitaler Werkzeuge (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationssoftware), die kritische Auseinandersetzung mit Medien und Informationsquellen sowie Grundlagen der Informatik (algorithmisches Denken, Verständnis von Datenstrukturen). Digitale Kompetenzen sind überfachlich, weil sie in allen Fächern eingesetzt und entwickelt werden — beim Recherchieren für einen Aufsatz genauso wie beim Auswerten von Experimenten in Naturwissenschaften oder beim Gestalten einer Präsentation im Geografieunterricht.

Die ersten drei Bereiche — Selbst-, Sozial- und Methodenkompetenzen — sind die «klassischen» überfachlichen Kompetenzen, die in der Schweizer Schulpraxis seit Generationen beobachtet und im Zeugnis als «Arbeitsverhalten» und «Sozialverhalten» ausgewiesen werden. Die sprachlichen und digitalen Kompetenzen wurden mit dem Lehrplan 21 explizit als gleichwertige überfachliche Bereiche verankert — und damit strukturell aufgewertet.

Praxisbeispiel

Wie es in der Praxis aussieht: Ein 3-Wochen-Projekt in der 7. Klasse

Eine 7. Klasse Sek I arbeitet drei Wochen an einem fächerübergreifenden Projekt: «Bauen einer einfachen Wasserkraft-Anlage». Das Projekt verbindet Naturwissenschaften, Mathematik und Technisches Gestalten — und bietet gleichzeitig reiche Gelegenheiten, alle fünf überfachlichen Kompetenzbereiche zu beobachten und zu dokumentieren.

Selbstkompetenz: Marlon nach dem Rückschlag

Das erste Mühlrad von Marlons Gruppe dreht sich nicht — die Schaufeln sind zu breit, das Gewicht stimmt nicht. Marlon reagiert nicht mit Aufgeben oder Wartehalten auf die Lehrperson. Er schlägt der Gruppe vor, die Schaufelgrösse systematisch zu variieren und den Effekt zu messen. Er übernimmt Eigenverantwortung, sucht selbständig nach einer Lösung und hält die Gruppe auf Kurs. Die Lehrperson notiert: «Marlon, Projekttag 4 — nach technischem Rückschlag selbständig Lösungsansatz entwickelt, Gruppe motiviert. Niveau 3 erweitert: Selbstkompetenz / Eigenverantwortung.»

Sozialkompetenz: Sara als Mediatorin

In Saras Gruppe entsteht am zweiten Projekttag ein Konflikt: Zwei Mitschüler:innen sind sich uneinig, wer welche Teilaufgabe übernimmt. Sara benennt den Konflikt ruhig, gibt beiden die Möglichkeit, ihre Sicht zu erklären, und schlägt eine Aufteilung vor, die beide akzeptieren können. Die Arbeit geht weiter. Die Lehrperson dokumentiert: «Sara, Projekttag 2 — Konflikt in der Gruppe erkannt, Mediation übernommen, Lösung moderiert. Niveau 2 fortgeschritten: Sozialkompetenz / Konfliktfähigkeit.»

Methodenkompetenz: Arams Lerntagebuch

Aram führt während des gesamten Projekts ein Lerntagebuch. Nach jeder Projektwoche hält er fest: Was haben wir erreicht? Wo sind wir nicht weitergekommen? Was würden wir beim nächsten Mal anders machen? Die Einträge zeigen einen zunehmend strukturierten Blick auf den eigenen Lernprozess. Die Lehrperson notiert: «Aram, Projektwoche 3 — Reflexionseintrag differenziert, Optimierungsideen konkret formuliert. Niveau 2 fortgeschritten: Methodenkompetenz / Aufgaben angehen und reflektieren.»

Sprachliche Kompetenz: Die Abschlusspräsentation

Am Ende des Projekts präsentiert jede Gruppe ihre Anlage vor der Klasse. Die Lehrperson beobachtet, wie die Schüler:innen technische Sachverhalte sprachlich darstellen: Wer verwendet Fachbegriffe präzise? Wer strukturiert die Präsentation so, dass die Zuhörenden folgen können? Wer passt den Sprachstil dem Publikum an? Diese Beobachtungen fliessen in die Dokumentation der sprachlichen Kompetenzen ein — fächerübergreifend, weil Präsentationsfähigkeit in Naturwissenschaften, Geografie und Deutsch gleichermassen gefragt ist.

Digitale Kompetenz: Tabellenkalkulation und Energieberechnung

Die Schüler:innen nutzen ein Tabellenkalkulations-Programm, um die Energieausbeute ihrer Anlage zu berechnen. Manche Gruppen bleiben bei einfachen Formeln — Niveau 1 basal: grundlegende Anwendung eines Werkzeugs. Andere entwickeln automatisierte Berechnungen mit variablen Parametern — Niveau 2 fortgeschritten: zielgerichteter, strukturierter Einsatz digitaler Werkzeuge für eine Aufgabenstellung. Die Lehrperson dokumentiert pro Schüler:in, welches Niveau tatsächlich selbständig erreicht wurde.

Am Ende des Projekts hat die Lehrperson für jeden Schüler:in in jeder Klasse pro Kompetenzbereich datierte Beobachtungen mit Niveau-Einschätzung. Über mehrere Projekte und Semester hinweg entstehen Kompetenz-Verläufe, die zeigen, wie sich überfachliche Kompetenzen entwickeln — nicht als Schnappschuss, sondern als dokumentierter Lernweg.

Missverständnisse

Häufige Missverständnisse

«Überfachliche Kompetenzen sind dasselbe wie Arbeitshaltung»

Das ist falsch. «Arbeitshaltung» war — und ist in vielen Zeugnissen noch — eine pauschale Sammelbewertung: eine kurze Beschreibung oder ein Buchstabenwert, der viele heterogene Verhaltensweisen in einer einzigen Zeile zusammenfasst. Überfachliche Kompetenzen sind strukturell verschieden: Sie sind in fünf Bereiche gegliedert, jeder Bereich enthält konkrete Teilkompetenzen, jede Teilkompetenz wird über beobachtbare Situationen dokumentiert — mit Datum, Situationsbeschreibung und Niveau-Einschätzung. Das Ergebnis ist eine differenzierte Dokumentation, keine pauschale Charakterisierung. Überfachliche Kompetenzen sind Beobachtungs-Kategorie, nicht Persönlichkeits-Urteil.

«Sozialkompetenz ist eine Persönlichkeits-Beurteilung»

Das ist falsch. Sozialkompetenz wird nicht beurteilt als «ist eine nette Person» oder «hat einen guten Charakter». Beurteilt wird, was in konkreten sozialen Situationen beobachtbar ist: Kann die Schülerin in einer Diskussion ihre Meinung sachlich vertreten und gleichzeitig der Gegenposition zuhören? Gelingt es dem Schüler, einen Konflikt in der Gruppe anzusprechen, ohne die andere Person zu beschuldigen? Diese Verhaltens- beschreibungen sind situationsgebunden und entwicklungsfähig. Eine schwache Beurteilung in Sozialkompetenz heute bedeutet nicht: «Diese Person ist unsozial.» Sie bedeutet: «In den dokumentierten Situationen hat die Person diese Fähigkeit noch nicht gezeigt — sie hat Entwicklungspotenzial.» Das ist ein pädagogisch entscheidender Unterschied.

«Überfachliche Kompetenzen fliessen in die Zeugnisnote»

In den meisten Schweizer Kantonen ist das nicht der Fall. Die Fachnote spiegelt fachliche Kompetenzen — was eine Schülerin in Mathematik, Deutsch oder Englisch gelernt hat und kann. Überfachliche Kompetenzen erscheinen als separater Block im Zeugnis, typischerweise unter «Arbeitsverhalten» und «Sozialverhalten», und werden mit einer eigenen Beurteilungsskala ausgewiesen. Sie sind ein eigenständiger Informations- Bereich, keine Teilnote der Fachnote. In manchen Kontexten — etwa im Bewerbungsprofil für eine Lehrstelle — können überfachliche Kompetenzen als eigene Kategorie neben den Fachkompetenzen dargestellt werden und dort eigenständiges Gewicht erhalten.

Häufige Fragen

Was unterscheidet überfachliche von fachlichen Kompetenzen?

Fachliche Kompetenzen beziehen sich auf das Können innerhalb eines bestimmten Fachs — etwa das Lösen quadratischer Gleichungen in Mathematik oder das Analysieren eines literarischen Textes in Deutsch. Überfachliche Kompetenzen hingegen entwickeln sich in allen Fächern gleichzeitig und sind an keine fachspezifische Domäne gebunden. Selbstständigkeit, Kooperationsfähigkeit und systematisches Vorgehen entstehen im Biologieunterricht genauso wie im Deutschunterricht. Der Lehrplan 21 behandelt beide Ebenen als gleichwertig — fachliche Kompetenzen werden pro Fachbereich beschrieben, überfachliche werden bereichsübergreifend in fünf Kategorien gegliedert.

Werden überfachliche Kompetenzen benotet?

In den meisten Schweizer Kantonen fliessen überfachliche Kompetenzen nicht direkt in die Fachnote ein. Sie erscheinen als separater Block im Zeugnis — typischerweise unter den Rubriken «Arbeitsverhalten» und «Sozialverhalten» — und werden dort in der Regel mit einem Beurteilungsraster (z.B. «erfüllt», «übertrifft», «teilweise erfüllt», «nicht erfüllt») oder mit einer kurzen Beschreibung dokumentiert. Einige Schulen und Kantone erproben differenziertere Erfassungsformate, die sich enger an die fünf Lehrplan-21-Kompetenzbereiche anlehnen. Eine kantonale Einheitslösung existiert Stand 2025 noch nicht.

Wie kann man Sozialkompetenz beobachten?

Sozialkompetenz ist beobachtbar über konkrete Verhaltensweisen in sozialen Situationen: Übernimmt eine Schülerin in einer Gruppenarbeit eine vermittelnde Rolle, wenn Meinungen auseinandergehen? Kann ein Schüler einen Konflikt benennen, ohne die andere Person zu beschuldigen? Gelingt es einer Gruppe, eine gemeinsame Entscheidung zu treffen, obwohl die Ausgangsmeinungen verschieden waren? Lehrpersonen dokumentieren solche Beobachtungen mit Datum, Situation und Verhaltensbeschreibung. Über mehrere Situationen und Projekte entsteht ein nachvollziehbares Bild — nicht ein Pauschalurteil über die Persönlichkeit, sondern eine situationsgebundene Kompetenz-Dokumentation.

Sind digitale Kompetenzen ein eigenes Fach oder überfachlich?

Digitale Kompetenzen sind im Lehrplan 21 überfachlich verankert, werden aber teilweise auch über das Modulfach «Medien & Informatik» abgedeckt. Überfachlich bedeutet: Die kritische Auseinandersetzung mit digitalen Medien, die Anwendung digitaler Werkzeuge und die Grundlagen der Informatik sind nicht auf ein einziges Fach beschränkt, sondern werden in allen Fächern mitentwickelt. Gleichzeitig gibt es in vielen Kantonen ein Pflichtmodul «Medien & Informatik», das gezielt informatische Grundlagen und Medienbildung behandelt. Die Fächer-Verantwortung und die überfachliche Verantwortung überlappen sich hier — digitale Kompetenzen sind sowohl Querschnittsthema als auch eigenständiger Inhaltsbereich.

Wie werden überfachliche Kompetenzen im Bewerbungsprofil dargestellt?

Im Bewerbungsprofil können überfachliche Kompetenzen als eigene Kategorie neben den fachlichen Kompetenzen erscheinen. Die Schülerin oder der Schüler wählt, welche überfachlichen Kompetenzen für die angestrebte Lehrstelle relevant sind — für eine kaufmännische Lehrstelle sind etwa Methodenkompetenz und Sozialkompetenz besonders aussagekräftig. Die Darstellung erfolgt analog zu den fachlichen Kompetenzen: Bereich, Teilkompetenz, Niveau und optional eine dokumentierte Beobachtung der Lehrperson. Mehr zur Umsetzung unter /glossar/bewerbungsprofil.

Können Schüler:innen ihre überfachlichen Kompetenzen selbst einschätzen?

Ja — Selbsteinschätzung ist pädagogisch ausdrücklich erwünscht und ist selbst Teil der Selbstkompetenz (Selbstreflexion). Viele Schulen setzen Selbstbeurteilungsbögen ein, bei denen Schüler:innen ihren eigenen Stand in Bereichen wie Eigenverantwortung, Konfliktfähigkeit oder Arbeitsorganisation einschätzen. Diese Selbsteinschätzung wird anschliessend mit der Fremdbeurteilung der Lehrperson verglichen. Diskrepanzen sind pädagogisch wertvoll: Sie eröffnen ein Gespräch über Stärken, blinde Flecken und Entwicklungspotenzial. Die Lehrperson bleibt aber die Instanz, die den dokumentierten Kompetenz-Stand bestätigt — die Selbsteinschätzung ersetzt die Beurteilung nicht, sie ergänzt sie.

Verwandte Begriffe

Begriffe, die direkt damit zusammenhängen

Überfachliche Kompetenzen sind eingebettet in ein Netz pädagogischer Konzepte, die im Lehrplan 21 und in der Schweizer Schulpraxis direkt an sie anschliessen.

In der Plattform

So setzt Kompetenzmonitor das um

Kompetenzmonitor ermöglicht Lehrpersonen, überfachliche Kompetenzen gleichwertig neben fachlichen Kompetenzen zu dokumentieren. Die fünf Lehrplan-21-Bereiche — Selbst-, Sozial-, Methodenkompetenzen sowie sprachliche und digitale Kompetenzen — sind als Beobachtungs- Kategorien in die Plattform integriert. Lehrpersonen erfassen Beobachtungen mit Datum, Situationsbeschreibung und Niveau-Einschätzung — genau so, wie sie es für fachliche Kompetenzen tun.

Weil die Daten über Semester und Schuljahre akkumuliert werden, entstehen Kompetenz-Verläufe: Die Lehrperson sieht auf einen Blick, wie sich die Sozialkompetenz einer Schülerin über zwölf Monate entwickelt hat. Am Ende der Sek I können diese Daten direkt ins Bewerbungsprofil einfliessen — mit lehrperson-bestätigten Niveaus, nicht mit Selbsteinschätzungen.

Die detaillierte Funktionsbeschreibung — mit Erfassungsablauf, Kategorien und Exportoptionen — findet sich auf der Funktionsseite: Überfachliche Kompetenzen in Kompetenzmonitor.

Quellen

Quellen & weiterführende Lektüre

Lehrplan 21 — Überfachliche Kompetenzen

lehrplan21.ch — Primärquelle für alle fünf überfachlichen Kompetenzbereiche im Deutschschweizer Volksschullehrplan. Verbindlich für alle 21 Kantone und konzeptuelle Grundlage der Dokumentation in Kompetenzmonitor.

OECD DeSeCo (2003): Definition and Selection of Competencies

Grundlagenwerk zur internationalen Schlüsselkompetenz-Forschung. Definierte erstmals auf OECD-Ebene, welche Kompetenzen über Fächergrenzen hinaus für ein gelingendes Leben und eine funktionierende demokratische Gesellschaft notwendig sind. Direkte Referenz für den Lehrplan-21-Kompetenzrahmen.

Klieme et al. (2003): Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards

Gutachten im Auftrag des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Legte die konzeptuelle Grundlage für kompetenzorientierte Bildungsstandards im deutschsprachigen Raum — und beeinflusste massgeblich die Lehrplan-21-Entwicklung in der Schweiz.

Hattie, J. (2009/2013): Lernen sichtbar machen. Schneider Verlag Hohengehren.

Metastudie über mehr als 800 Bildungsstudien. Zeigt, dass selbstreguliertes Lernen und Selbsteinschätzung zu den stärksten Einflussfaktoren auf den Lernerfolg gehören — empirische Grundlage für die pädagogische Bedeutung überfachlicher Kompetenzen.